Thessaloniki / Street Art

Graffitis (wie der aufmerksame Leser merkt, verwende ich hier den sog. gleichgültigen Plural eines Fremdwortes; in der Zeit die es braucht, das hier zu schreiben, hätte ich ebensogut den korrekten Begriff googeln können, tue es aber nicht: aus Trotz).

Griechisch, bedeuted soviel wie "Oyzoy"

Griechisch, bedeuted soviel wie “Oyzoy”

Wie gesagt, Graffitis und einige fantasievolle oder witzige Schilder sind zu bewundern beim Klicken auf nachfolgenden Link. Gesehen und für eure Konsideration festgehalten in Thessaloníkí/Griechenland.
Und schon wieder eine sehr fragwürdige Formulierung aus meiner Feder. Muss daran liegen, dass ich während der Rückfahrt aus Mainz vor Langeweile in der Betriebsanleitung meines Autos geschmökert habe, was sich als echte Fundgrube für Stilperlen wie diese hier entpuppte (weitere folgen eventuell):

Wenn der Ölmeßstab am unteren Ende eine Nase aufweißt, verleichen Sie diese bitte mit einer eventuell vorhandenen Nase am Ölstandsanzeiger.

Nun aber genug von Ölnasen und auf zu den Bildern!

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am Dienstag, 25. März 2014  kommentieren

Wellen und Dünen

Du, wir werden wie unsere väter, begraben unter wellen
du, wir werden wie unsere mütter, vergraben unter dünen
du, wir waren etwas
du, wir sind etwas
du, wir werden etwas werden
du, wir werden etwas geworden sein

am Donnerstag, 27. Februar 2014  2 kommentare

Patient

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Ich schlage die Augen auf. Nur langsam nehmen die Dinge Gestalt an, widerstrebend weicht der graue Schleier. Betten. Um mich herum Betten, zwei zu meiner linken, eines zu meiner rechten. Das Kopfende an der Wand, das Fußteil in den Raum. An der rechten Wand noch eins. Längs. Davor die Tür. Links das Fenster. Ich kann nicht nach draußen sehen. Schwarz. Mein Bett ist das Härteste. Holz bespannt mit dünnem Stoff. Weiße Laken. Weiße Wände. Grünes Linoleum. Buchsen und Dosen. Schläuche. Wie bin ich in das Krankenzimmer geraten? Wann, warum? Blasse Menschen auf blassen Laken. Glatzkopf im linken Bett. Liest unbewegt. Die Frau im Bett an der Tür. Lange, rote Haare. Wallende Wogen. Ins Spiel mit dem Puppenkind vertieft. Rechts ein dunkles Gesicht mit noch dunklerem Bart. Fettig. Wo bin ich? Nur das schlechte Gewissen ist wahr. Ich bin nicht krank. Gehöre nicht hierher, nehme nur den Platz weg. Es geht mir gut, zu gut. Was, wenn ich bemerkt werde? Gesunder Tumor im kranken Gewebe? Exzision, sicher. Gefühlt angestellt und ausgefressen, erwischt. Kurz vorher macht sich das Zittern bemerkbar. Angst. Was, wenn ich bemerkt werde?

Ich schlage die Augen auf. Sie haben alle geholt. Allein bis auf den Blondschopf am Bettende. Insigniert mit weißem Kittel, weißer Hose, Kladde. Man weiß nicht, was ich habe. Nur ich. Nichts. Tests bestimmt mit Kreuzen in Kästchen: alle machen! Wenigstens gehöre ich dazu. Und dann verfolgen. Geleiter. Nie von vorne zu sehen, geht immer voraus. Einen Schritt. Ich bin barfuß. Stufen, Hallen, Gänge, Kacheln, Beton, Holz. Türen. Angekommen, festgeschnallt. Silberner kalter Metalltisch. Nackt. Endlich der Arzt. Er spricht, erklärt, gedenkt, warnt, will nicht. Er muss. Zeigt mir das Rad. Wie vom Tresor, aber ohne Zahlen. Nur schwarze Striche. Der ganz am Ende ist blutrot. Wieso?

Klack. Hallend. Der erste Strich. Krampf. Alle Muskeln zum zerreißen gespannt. Im Schrei erstarrt. Dynamik vereist. Bewegungslos. Atmen setzt aus. Mein Herz. Mein Herz?

Klack Klack Klack. Pulsierendes Leben, willkommen oh Luft. Alles in Farben so rosig. Entspannt. Versöhnt. Blicke auf glorreiche Zukunften. Blumen in der Mailuft. Tanzen bis zum Morgengrauen. Vögel und würzige Wärme. Geschehen lassen.

Klack Klack Klack. Tränen. Verrottetes Dasein, totes Leben. Zerfressen. Düstere Leerwelt. Lieber sterben als eine Sekunde in diesen Ruinen. Gefühlsschimmel. Beißende Schlacke, nicht abwaschbar.

Klack Klack Klack. Das Blutrot rückt immer Näher. Ich tobe, will richten, schlitzen, zerfetzen, zerfasern. Knochenbrechers besessenes Grölen. Rache. Ich fürchte nur meine eigene Fratze.

Klack Klack Klack. Zurücklegen, egal was passiert. Nichts gilt. Und wenn alle Sonnen verglühen werde ich warten. Was auch sonst. Unbedeutung, irrelevant. Fuckoff.

Klack Klack Klack. Zeig mir Titten und Fotzen. Ficken und spritzen, klebriges Pumpen. Mein Schwanz eine Lanze. Stopf euch alle Löcher. Dreckige Biester.

Klack Klack Klack. Durchsicht, darum bin ich also hier. Wir alle. Die Allformel ist zwei Seiten lang, die Anzahl der Sterne begrenzt. Gestochen scharf. Der nächste ist der blutrote Strich.

Klack.

Ich schlage die Augen auf. Nur langsam nimmt die Welt Gestalt an, widerstrebend weicht der graue Schleier. Die Augen halb geschlossen. So krank so schlecht. Wer hilft mir? Was, wenn ich nicht bemerkt werde? Verderben. Embryonalhaltung. Es ist ernst. Der Glatzkopf links hat einen Rucksack. Alles drin was man hier braucht. Kennt sich schon aus. Nimmt immer alles mit. Gegensatz. Mein Bett ist zu hart.Hält aber den Arsch straff. Seines? Latschen für mich. Dunkelblau. Zu klein. Verbundplastik. Das Puppenkind sollte in meinem Bett sein. Hab es ihm weggenommen. Bestimmt. Der Bart lächelt. Weiß bescheid. Trockenes Husten mit meiner Stimme. Ich kann nicht mehr lange.

Der Geleiter. Ich folge. Langsam, sterbend, elend, übel. Plastik scheuert und ritzt. Spuren folgen. Dann auf die Bahre, blauer Stoff. Sie scherzen und lachen. Weil ich nichts hätte. Hat auch er gesagt. Alle wissen das. Markierer. Lachen auf meine Kosten. Ich bin zu schwach um zu entgegnen. Ich habe was. Was?

Ich schlage die Augen auf. Rechts. Das Fenster steht weit auf. Breites Tal. Flussglitzern. Braune und grüne und gelbe und bunte und duftende lebendige Welt. Nimm mich auf, Firmamentenblau. Lass mich in dir Leben, durch dich mit dir. Natur. Zu schwach für die gekrönte Schönheit. Das Laken wird alle Tränen saufen. Auch die Letzte?

am Samstag, 25. Januar 2014  kommentieren

Ein schlechter Mensch

schlechter MEnsch

Als der Bus endlich kam, war Reyk bereits bis auf die Unterwäsche durchgeweicht. Das Glasdach der Bushaltestelle war wohl zerstört worden und seine dünne Jacke hatte dem kalten Regen nicht viel entgegenzusetzen. Reyk hob seine Sporttasche auf und betrat den Bus. Missmutig hielt er dem Fahrer seine Karte vor das Gesicht und setzte sich in den hinteren Teil des Busses. Dieser war außer ihm und dem Fahrer leer. Und wenn er durch die verdreckte Scheibe nach draußen schaute, kam es ihm so vor, als sei er nicht nur im Bus, sondern auch auf der ganzen Welt der einzige Passagier. In der grauen, nassen Welt da draußen bewegte sich nichts. Der Bus fuhr an und verließ das kleine Dorf auf der Hauptstraße. Reyk zog die Jacke aus, und hoffte, dass die warme Luft der Busheizung bis zu seinem zitterndem Körper durchdringen würde. Er hatte eine lange Fahrt vor sich.

„Eine verdammt lange Fahrt“, murmelte er vor sich hin und begann in den Jackentaschen nach dem MP3-Player zu kramen. Er steckte sich die Stöpsel ins Ohr, scrollte die gespeicherte Musik durch und fragte sich, was für diesen Moment wohl angemessen war. Darüber hatten sich sicher schon sehr viele Menschen, die in einer ähnlichen Situation wie er waren, den Kopf zerbrochen. Er hatte er sich bisher keine Gedanken darüber gemacht. Etwas Melancholisches schien ihm angemessen. Was musste man eigentlich unbedingt gehört haben? Er entschied sich für, das neue Album der Nine Inch Nails, fand aber keinen rechten Zugang dazu. Er versuchte es mit Nick Cave, mit dem selben Ergebnis. Schließlich entschied er sich doch für Heavy Metal. Hart, schnell, laut.
„Melancholie ist doch eh nur was für Weicheier” dachte er und blickte weiter durch die Scheibe hinaus, während der Bus seine Fahrt durch die Totenwelt fortsetzte.
Reyk dachte an den Inhalt seiner Tasche. Taschenlampe, Knebel, Handschellen, Zigaretten, Bier, Wasser, Schnur, Kompass und jede Menge Fressalien. Beim Gedanken an das Essen in der Tasche zu seinen Füßen knurrte ihm der Magen. Gerne hätte er jetzt schon von seinen Vorräten gegessen, doch er zwang sich dazu, es nicht zu tun. Sein Magen würde noch eine ganze Zeit knurren müssen.
Als Reyk ausstieg, konnte er sich an den Rest der fast 2-stündigen Fahrt kaum noch erinnern. Er hatte aus dem Fenster gesehen, doch nichts wahrgenommen. Er hatte Musik gehört, aber wusste nicht mehr, welche. Vor allem aber hatte er nachgedacht. Viel nachgedacht. Gedanken, die endlos wir der Ozean hin und her schwappten und unermüdlich die dunklen Felsen seiner schlechten Entscheidungen umspülten und zerbröckelten. Hadern, bereuen, zerdenken. Sinnlos.
Reyk schwang sich die Tasche über die Schultern und machte sich auf den Weg. Die Bushaltestelle stand an einer einsamen Straße. Links führte der Weg zu einem größeren Gehöft hinter dem sich weite Felder erstreckten. Reyk zog sich die Kappe seiner Jacke tiefer ins Gesicht und hielt sich rechts, auf einen kleinen Wald zu. Er holte den Kompass heraus und begann, sich seinen Weg auf den überwucherten Pfaden zu suchen. Das letzte Mal war er vor ein paar Wochen hier gewesen. Er fragte sich, ob seitdem auch nur ein anderer Mensch hier vorbeigekommen war. Als er eine halbe Stunde auf den matschigen Schlammwegen mehr gewatet als gegangen war, sah er endlich die Häuschen vor sich. So oft hatte er in den letzten Tagen daran gedacht, hatte in seinen Gedanken den ehemaligen Militärstützpunkt, falls es einer war, immer wieder durchschritten. Er hatte sich an jede Kleinigkeit zu erinnern versucht, hatte die geduckten kleinen Baracken mit seinen Gedanken so aufgebläht, dass ihm das Original jetzt klein und unwirklich vorkam. Beeindruckend konnte man die paar verbliebenen Hütten mit teilweise eingestürzten Dächern im Wald nun auch wirklich nicht nennen. Der Putz blätterte ab, die Balken faulten, die Farbe war nur noch eine Erinnerung an bessere Tage. Gedankenruinen.
Reyk passierte die verfallenen Hütten und hielt zielstrebig auf eine davon zu. Von der Farbe, mit der die Nummerierung des Gebäudes aufgemalt gewesen sein mochte, war nur noch ein Kreis erhalten. Eine Acht, oder eine Neun vielleicht. Wo der Rest sein sollte, klaffte ein Loch bis auf die Backsteine. Bröseliger Mörtel, Moos und Spinnenweben. Er trat ein. Die Baracke hatte keine Tür und die Fenster waren nicht mehr als zwei eckige Löcher in der Wand. Das Innere bestand aus einem einzigen Raum, der ehemalige Holzboden war zu einer grauen, seltsam weichen Masse mutiert. Alte Plastiktüten und zerschlagene Bierflaschen komplettierten die Einrichtung. Der Geruch des Raumes war alt und faul. Etwa zwei Meter über dem Boden war ein wuchtiger Metallring in die Wand eingelassen. Der Sinn dieses Eisenrings in hatte sich Reyk nie wirklich erschlossen. Er war da, das reichte ihm. Der Rost hatte dem dicken Ring im Laufe der Jahre zugesetzt, doch Reyk war sich sicher, dass er kaum etwas von seiner einstigen Robustheit eingebüßt hatte. Er reckte sich und hing sich an den Ring. Unlösbar. So wie vergangene Probleme.
Er begann mit den Vorbereitungen. Er verknotete die Schnur an einem Deckenbaken und band die Mag-Lite an das andere Ende. Die primitive Deckenlampe baumelte etwa einen Meter über dem Boden. Er holte den Proviant aus der Tasche und reihte alles unter der Lampe auf. Die Chipstüten öffnete er und inhalierte den Duft tief. Wieder meldete sich sein hungriger Magen, wieder ignorierte er ihn. Daneben stellte er die volle Flasche Jever, die er auch öffnete. Er beförderte noch selbstgemachte Frikadellen, Gummibärchen, eine große Flasche Wasser und Schokolade aus der Tasche und reihte alles auf. Zuletzt legte er die Zigaretten vor das Essen, öffnete die Schachtel, schob eine der Zigaretten heraus. Er wollte jetzt gerne rauchen, verkniff es sich aber wie zuvor das Essen. Das Essen verbreitete seinen verlockenden Geruch, konnte den Fäulnisgeruch jedoch nicht ganz vertreiben.
Als er fertig war, begann es bereits dunkel zu werden und er knipste die Taschenlampe an. Sie ließ ihr Licht auf die improvisierte Festtafel fluten. Er nahm den Knebel, das letzte noch verbliebene Stück in der Tasche, und ging zur gegenüberliegenden Wand. Den Knebel hatte er in einem Fetischstore gekauft. Ein festes Lederband mit einer roten Gummikugel in der Mitte. Ein bisschen fühlte sich Reyk an Butch aus Pulp Fiction erinnert, als er auf die Kugel biss und die Schnallen fest zusammenschloss. Sofort lief ihm Speichel aus dem Mund und tropfte auf seine ohnehin schon nasse Jacke. Dann legte er sich die Handschallen um ein Handgelenk. Das Klacken des Verschlusses klang satt, massiv. Er legte Handschellenschlüssel vor den Proviant. Er glänzte hell und neu im Licht der Taschenlampe, stach auf dem morschen, braunen Boden hervor. Reyk löste sich von dem Anblick und ging zurück. Mit dem Rücken zur Wand blickte er auf sein Werk. Dann fädelte er die Kette der Handschelle durch den Eisenring, atmente tief ein und verschloss sie am anderen Handgelenk. Die Arme über dem Kopf hatte er jetzt so gut wie keine Bewegungsfreiheit mehr.
Jetzt konnte er nur noch warten.

am Sonntag, 12. Januar 2014  2 kommentare

Näher zu Dir

Den nächsten Mann, Signal im März, Nächte im Sand, Funke des Alls, Endlichkeit, reflektiert.
Die Haut des Alten, der Quarz des Letzten und Glanz des liebsten, absorbiert.
Treibt in Schatten, zuckt die Schulter, leckt die Wunde, trinkt den warmen Wein des fremden Selbst.
Ein Fleck, ein Riss im besten Kleid, Splitt statt Spiegel, Seufzer statt Sinn, kein Reim auf was ich wirklich bin.
Verlorene Stunden, zu Bündeln gebunden, verlorene Tage-die beste Waage sind wir selbst.
Die kläglichste Reis, der kälteste Kern, Betrachtung im Nebel, nachts und nackt im schuldgeschwärzten Meer.
Normal und kohärent, der Fiebertraum des Gesunden, Natürlichkeit wird fragmentiert; real ist was wir kaufen, fassen und nicht fallen lassen.
Was, wo, wen, warum wir wollen. Und ob es schließlich unser wird, näher zu mir? Oder ob man endlich jenes wird, ein atmendes Zahnrad, das Zähne in ein nächstes schlägt.
Ein lärmendes Teilchen, geprüft, beachtet und ersetzt. Oder dies: Ein falsches Bild, niemals Wahrheit und nie Lüge; ein Bruchstück aus Allem, Fundstück und Trophäe eines Zentrums, das nicht länger hält.
Denn wer Wahrheit findet, zweifelt auch; aber wer Zweifel sät wird Sehnsucht ernten und was allein sich zu finden lohnt: näher zu mir, näher zu Dir.

am Sonntag, 5. Januar 2014  4 kommentare

Xerxes

Die Felsen des Irren, die Festung jenes Organismus der größer ist, nicht stärker, doch alles vereint was wahr ist und falsch ist oder dazwischen begraben liegt. In dessen Mauern aus gewachsenem, durch Marmor geäderten Stein herrschst du, als letzter der Ersten, ein Kain der Stille, gewiegt in deiner Götter Sünden, gewandt in deines Vaters treue Haut. Die Sünde ist geerbt, nicht gewachsen, als Menetekel dargebracht, der frische Saft der reifen Frucht, Erkenntnis deiner selbst in allem; als Ratio und Extrakt, vernünftig und banal, das Zepter aus Stroh und Kleider aus Stahl, und Äpfel aus Gold auf äschernen Kronen.

Wie Caesar per pedes und Hannibal zu Ross, wie Xerxes in Silber, wie derselbe ohne Tross, so zeigt sich uns die Welt verkehrt; der längste Scherz, wer ihn versteht. Ein Tag ist Werkzeug, Sichel aus Sehnen, Sense aus Safran, Zange aus Zähnen, Hammer aus Haar. Und schaue die Himmel, die ewige Bühne, Kaleidoskop in sich gebrochen, Conoratio ad Infinitum; wie Haare wehen, Augen blicken, umfließt sich selbst dies größte Zeichen eines Zeichens aller Zeiten; umschließt sich selbst in einer weiten, in einer ewig fernen, in einer immer fremden und uns doch wohlbekannten Art. Entdeckt, erkannt, erforscht das Labyrinth, die Oberfläche aufgeschürft, die glatte Säule angebohrt, den stolzen Winkel abgeflacht, die schönste Münze umgedreht, die wahrsten Worte ausgelacht … doch sind wir selber Labyrinth.

Ein Auge das sich selbst nur sieht, ein Blick der vor sich selber flieht; Palast in einem Zelt erbaut und Magen der sich selbst verdaut. Ein “ich” und “wir” wird uns gelehrt, dass wir gleich Schlangen uns um uns selber winden, dass wir wie Narren uns aneinander binden. Keine Wahrheit, keine Ordnung, kein Gesetz; lasst es brennen, wenn es brennt. Im Anfang war nicht das Wort, aber das Fragment. Wahr und falsch als bloße Fantasie und Recht als die von allen fantasieloseste Kategorie. Absurde Schattenwelt wo nichts wächst als Unsicherheit, Traumwelt ohne Entrinnen und ohne Erinnerung, als Weg nach vorn ins Unbekannte; hinein ins Purgatorium aus nie gehörten, aus ewigen Liedern und fehlenden Gliedern, gesprungener Schädeln, zertrümmerten Kiefern, verschütteter Zähne, absonderlichster Fiebertraum, in Schmerzen geboren, Darwinsches Zwischenwesen, halb Schatten, halb Nacht.

Wie Schüsse aus Äther, gewesenes Licht, gestaffelt in Reihen, die niemand zerbricht. Denn Bildnis ist Bildnis, kein Zweifeln darin, wie Schübe das Alter, wie Sehnen gespannt. Wirkliche Wesen, in Rahmen gepresst und Säure gelöst, als Öle verrieben auf bebender Brust; der Zweifel des Zweiten, Gedanken darin sind hölzerne Tassen und splittern am Mund. Und frisst sich in Venen und schäumet das Blut, in zweifelnden Herzen die hölzerne Wut; ist gut das Gute und dessen Blüte die selbstlose Güte, Vision des Jetzt und Abbild des Morgen, die Welle wird kommen den Blick zu verwischen, dein Abbild zu trüben, zu töten und zu tränken die niederen Dinge; und was davon noch haften bleibt, die Splitter deiner schönsten Tasse, ein Rahmen und ein Tropfen Öl, kein Spiegel der Erinnerung, soll schauen auf diese schönste Dämmerung. Soll nehmen die Dinge und atmen den Funken, soll finden sein Zion und trinken die Schwere und baden im rosenfingrigen Abendrot.

am Freitag, 1. November 2013  kommentieren

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